Der etwas andere Reisebericht
Durch das winterliche Schottland vom 11. bis 18. Februar 2007
...ja, es waren sehr sehr turbulente Monate gewesen und nach über einem Jahr ergab es sich, dass wir wieder einmal telefonierten, Thomas und ich! Was er mir dann da erzählte, machte mich hellhörig: “Ich habe für Februar mal eine Woche Schottland gebucht, einfach so ein wenig rumfahren, mal nach Skye rauf und schauen, was sich sonst noch so ergibt.”
Da regte sich in mir die Sehnsucht, das dringende Verlangen, das auch tun zu wollen. Ich habe kaum gewagt, es anzudeuten, aber dann doch gesagt, dass es mir auch nicht schaden könnte, dies mal wieder zu tun. Nach einem “ja, komm doch mit” von Tom, habe ich nicht lange gebraucht, um einen günstigen Flug heraus zu suchen. 70 € (inkl. aller Nebenkosten) hin und zurück nach Prestwick, 90 Minuten Flug mit Ryanair, mein Gott, ist das heute alles einfach und preiswert. Da ist es fast schwieriger beim Arbeitgeber Urlaub zu bekommen, aber auch da waren noch alte Urlaubstage und genug Überstunden, so dass dies nicht wirklich ein Hindernis darstellte. Der 11. Februar kam und ehe ich`s mich versah, war ich schon gegen 15 Uhr auf schottischem Boden gelandet. Jetzt galt es, den Tag zu verbringen, denn die anderen beiden kamen erst am Abend an, aber Ayr hat ja ein Tam O’Shanters, das wunderbare Möglichkeiten bietet. Zwei Guinness, einen 2:1-Sieg von Arsenal und zwei Reiseführer später war es dann auch schon so weit, die Jungs kamen und wir konnten zum ersten Quartier in Irvine aufbrechen, direkt am Hafen, ein wenig Blindflug im Dunkeln, aber irgendwie erinnerten sich Tom und Chris an die ein oder andere Hausecke und wir mussten nicht lange suchen. Der örtliche Pub hatte auch noch offen und ein weiteres Guinness und ein Whisky zur Begrüßung auf die kommende Woche mussten sein. Wir haben noch lange gequatscht in dieser Nacht.
Am nächsten Tag ging es dann mit viel Vorfreude in Richtung Isle Of Skye oder wenigstens so ähnlich, denn wir merkten, dass man nicht so richtig gut vorwärts kommt, wenn man alle 500 Meter zum Fotostopp anhält. Das haben wir aber dann mal trotzdem so gemacht, weil wir mal wissen wollten, wie weit wir denn auf diese Art und Weise kommen?! Wir haben aber nie den Blick für das Wesentliche verloren. Der Besuch der Auchentoshan und der Glengoyne Distilleries waren ebenso Pflicht, wie der Genuss der Trossachs und der am Wegesrand liegenden Lochs. Von Auchentoshan kann ich mir einen Tipp nicht verkneifen. Wenn Ihr Gelegenheit haben sollten, versucht mal den relativ neuen “Three Wood”, gereift für 10 Jahre im Bourbon- und ein weiteres Jahr im spanischen Oloroso Sherry- und letztlich abschließend im Pedro Ximenez Sherry-Fass. Ein unglaublich komplexer Whisky mit tollen Toffee und Sherry-Noten, wow!
Noch ein paar schnelle Einkäufe bei Glengoyne und ein wirklich winziger Gang zum hauseigenen Wasserfall später, befanden wir uns auch schon mitten in den Trossachs. Als wir an den Lochs Achray, Lubnaig und Earn vorbeikamen, war uns klar, dass dieser erste Tag schon zu Ende geht und wir unser Ziel Skye leicht verfehlen würden. Wir sind nicht mal bis zum Glencoe gekommen. Da haben wir halt den Restschnee im Glen Ogle genossen und uns dann in Tyndrum zur Ruhe begeben. Das Glencoe würde schon auch am nächsten Morgen noch da sein. Leider aber am 13.02. in leichterem bis manchmal auch etwas stärkerem Regen. Die Wettervorhersage hatte also leider hier nicht geirrt. Der Genuss im Glencoe leidet etwas im Regen, denn dieses fantastische Szenario braucht einfach Sonne, um mit den Licht- und Schattenspielen das Herz zu erfreuen. Sehr schade, aber eigentlich auch gut, denn sonst wären wir wahrscheinlich bis heute noch nicht in Skye angekommen.
Denn wir hatten ja noch was vor uns, durch das Glen Shiel strebten wir unaufhaltsam einem der sicherlich bekanntesten Fotomotive Schottlands entgegen, dem “Highlander”-Castle Eilean Donan, malerisch am Loch Duich gelegen, hat es immer etwas mystisches, es erweckt immer den Eindruck, Sean Connery könnte jeden Augenblick aus seinen Toren treten. Aber so viel Zeit war nicht, eine Reise in die Vergangenheit Runrigs lockte noch, denn wir waren locker mit Blair Douglas verabredet, würde er doch nur ans Telefon gehen! Das tut er aber wohl nie, wie uns hinterher seine Frau erzählte. Wir, aber nicht zu zurückhaltend, haben zumindest mal geschaut, ob sein Haus noch steht und siehe da, es stand noch und viel besser, er war auch zu Hause und freute sich, uns zu sehen und bat uns trotz fetter Erkältung in sein Wohnzimmer. Ein großer Moment, wie ich fand!
Er erzählte uns einiges von seinen letzen Projekten und vor allem von seinem Trip mit Runrig in die USA nach New York. Außerdem erzählte er uns, dass auch sein neues Album in Vorbereitung ist und hoffentlich im Mai oder Juni 2007 fertiggestellt sein würde. Die Songs hatte er alle schon auf seinem Rechner, die Tonaufnahmen würden in Kürze im Studio von Chris Harley beginnen. Auch Runrig wird in dieses Album involviert sein, Rory und Bruce haben ihre Beteiligung versprochen, darauf können wir uns echt freuen. Insgesamt berichtete er von einer sehr guten Zusammenarbeit mit der Band, da wäscht eine Hand die andere, mal ist er mit Rat und Tat bei der Band, mal unterstützen sie seine Projekte, so wusste er mit leichtem Lächeln zu berichten. “Aber leben könnte er von seiner Musik nicht”, so erzählte er auf unsere Frage hin, seine Frau hätte einen guten Job in einer Computerfirma. Das wäre absolut nötig für die Existenz, ich war überrascht, aber Musik scheint selbst auf dieser Ebene kein Zuckerschlecken zu sein.
Ganz stolz zeigte er uns noch seine Gitarre, die er in den USA geschenkt bekommen hatte, im übrigen das gleiche Modell, auf dem Bruce schon bei Konzerten gespielt hat, erinnert Ihr Euch an die amerikanische Flagge? Gespielt hat er dann für uns auf dem guten Stück und zu guter letzt hat er uns noch mit einer Strophe aus “Angels From The Ashes” auf dem Akkordeon verabschiedet. Nach 90 Minuten waren wir angefüllt mit neuen Eindrücken auf dem Weg nach Portree, was für ein Tag! Es sollte aber nicht das letzte Highlight in Skye bleiben. Am nächsten Tag zeigte sich die Isle Of Skye in ganzer Pracht. Ein wunderbarer Sonnenaufgang über der “Hometown Bay” und danach strahlend blauer Himmel luden uns ein, eine längere Wanderung zu wagen. Das Quiraing würde unser Ziel sein, soviel war sicher. Nach einem guten Frühstück gab es aber noch ein kurzes Pflichtprogramm.
Ob wohl Donnie zu Hause sein würde? “Sabhal Mor Ostaig” wurde ein kurzer Besuch abgestattet und siehe da, nach ein paar Minuten tauchte auch ein uns nicht unbekannter, dafür aber unrasierter Mann ebenfalls im Laden auf. Ich hatte den Eindruck, dass er sich freuen würde, uns zu sehen und wir haben so eine knappe halbe Stunde mit ihm verbracht, natürlich nicht ohne das obligatorische Foto mit ihm vor seinem Laden zu machen. Er berichtete uns von seinen kommenden Projekten und auf unsere Frage nach einer Tour in Deutschland legte er die Stirn etwas in Falten und sagte: “...eigentlich sehr gerne, aber es ist nicht so einfach, etwas zu organisieren, keiner wolle die Arbeit für eine solche Tour übernehmen, nachdem er sich von Hypertension getrennt hätte, wäre das kompliziert!” Hat jemand von Euch vielleicht Lust, dies zu übernehmen, ist natürlich vor allem ein finanzielles Risiko, denn Donnie und Band kommen natürlich nicht ohne eine feste Zusage hinsichtlich einer Gage. Das ist der springende Punkt, würde er selbst ins wirtschaftliche Risiko gehen, würde fast jeder von uns eine solche Organisation übernehmen können, aber da steckt richtig Geld drin. Zwanzig Minuten später und ein paar britische Pfund ärmer - leider hatte sein Laden wieder etwas zu bieten, das ich dringend noch brauchte - richteten wir unser Objektiv schon über Loch Fada auf den Old Man of Storr, ein absolut geniales Fotomotiv, wenn mal nicht vom Nebel verhangen. Wir konnten uns überhaupt nicht bremsen, aber jetzt galt es, mal richtig Gas zu geben, denn ..., ups da lagen noch Kulnarknock, Loch Mealt und der Blick auf Kilt Rock im Wege herum, für das Spektakuläre hatten wir natürlich immer Zeit. Dann war das Quiraing aber auch schon erreicht. Aha, über diese enge, steile Straße hatte sich also der Bus in “Air An Oir” geschlängelt, schon mit dem Auto eine kleine Herausforderung.
Beeindruckend! Schnell die Wanderschuhe gebunden und los ging es, die grünen Hügel, der Torf und ganz schön steile Anstiege erwarteten uns. Aber oben angekommen konnten wir nur sagen, jeder ächzende Atemzug hatte sich gelohnt, was für ein Panorama, die Küsten der Halbinsel Trotternish lagen uns zu Füßen! Der Abstieg verlief dann etwas weniger beschwerlich, als wir einen der leichteren Wege gefunden hatten und nur einen trockenen Wasserlauf hinunter spazieren mussten, naja leicht kann ja jeder. Während des Aufstiegs hatte ich mir noch ein Stückchen Torf auf einen Felsen gelegt, das ich auch tatsächlich auf dem Rückweg wiedergefunden habe. Leider haben wir den schönen trockenen Weg zum Auto nicht wiedergefunden, sondern haben uns - na, zumindest die Turnschuhträger - so richtig nasse Füße geholt. Nach einer liebevollen Begegnung mit einer Herde zum Teil unglaublich trächtiger Kühe, haben wir dann den Tag mit der Fahrt über Uig, einem Kuchen und/oder Sandwich im A(E)ros-Centre und einem Besuch bei Talisker ausklingen lassen. Dazu noch zwei Anmerkungen: Das wunderschöne Modell unserer “Amazing Things” liegt in Trümmern, ein Besuch in Langholm ist also ab jetzt unausweichlich. Die Talisker Distillery ist nicht nur einer der wenigen Brennereien, die es gewagt haben, den Kiln abzubauen, nein, die Armen haben nicht mal eine Schank-Lizenz für ihren eigenen Whisky. Einen Dram gibt es nur im Zusammenhang mit einer Tour, das ist so ziemlich das Letzte, peinlicher geht nicht, finde ich! Aber wenn man keinen Whisky verkaufen möchte, ist das sicherlich der richtige Weg!
Den Abend haben wir dann in der Tongadale Bar und im Bosville Hotel (Tom empfiehlt hier, unbedingt nach Susanne zu fragen, die hat sicherlich immer einen Tisch für Euch) genossen. Die Nacht und der nächste Morgen, ja eigentlich der ganze nächste Tag waren sehr stürmisch. Hätten wir nicht unser Gepäck dabei gehabt, hätte es uns vermutlich mit Auto in den Hafen von Portree geweht, Kyrill lässt grüßen, so etwas habe ich noch nicht oft erlebt.
Am Tag vorher hatte uns Chris Harley, der ehemalige Produzent von Runrig und jetzige Spezie von Donnie in sein Studio eingeladen. Vorbei am Honeymoon Cottage und einem Haus mit der Hausnummer 7 1/2 machten wir uns auf nach Waterloo, um möglichst ein solches nicht zu erleben und wir hatten Glück, er war tatsächlich zu Hause und führte uns in sein Reich. Ein riesiges Mischpult vor einem Panoramafenster mit Blick auf die Broadford Bay erwartete uns, da gibt es schlechtere Arbeitsplätze. Zudem lässt es sich sicherlich - umgeben von ich weiß nicht wie vielen goldenen und silbernen Schallplatten von Runrig (schaut mal auf Seite 35) und Alan Parsons - besonders gut arbeiten. Mal so ein halbes Stündchen dort das Runrig-Aroma zu genießen, war ebenfalls ein richtiges Highlight dieses Urlaubs. Chris war sehr freundlich und würde sich ebenfalls über eine Deutschland-Tour mit Donnie freuen, na schauen wir mal. Aber wir mussten mal wieder unheimlich Gas geben, da wir noch in der Speyside ankommen wollten. Nun, wir hatten ja Rückenwind und der hätte uns bei unserem kurzen Stopp auf der Skye-Bridge fast in eine erdnahe Umlaufbahn geblasen; im übrigen keine Gebühr mehr für die Überfahrt!!
Dann lief es aber vorzüglich, kaum Verkehr und ehe Chris so richtig ausgeschlafen hatte, waren wir auch schon am Loch Ness, dem nächsten Haltepunkt unserer Runrig-Tour. Nur kurz Urquhart Castle abgelichtet, wartete die Borlum Farm auf uns. Dort roch es schon überall nach Runrig, aber leider roch es in ganz Schottland nicht nach dem so toll angepriesenen Bier, keiner, nicht mal in den angesagtesten Pubs und Bierspezialitäten-Läden hatte man je davon gehört, das kommt sicherlich noch, nicht wahr?! Wir konnten es natürlich nicht lassen, die besagte Wiese zigmal zu fotografieren und sogar den gleichen Standort wie auf dem Poster einzunehmen und ein Foto zu machen. Hier könnt Ihr es mal vergleichen, erkennt Ihr den Unterschied? Richtig, einmal mit Blättern am Baum und einmal ohne.
Der Verwalter der Farm erzählte uns dann noch auf unsere Frage, wo das Ganze denn genau stattfinden solle, dass die ganze Geschichte noch einiges mit sich bringen würde. Man hätte von Seiten der Veranstalter mit 6.000 Fans gerechnet, bis zum Februar seien schon 9.000 Tickets verkauft worden und wir sollten uns mal auf eine Zahl von rund 15.000 Fans einstellen. Oh Gott, hoffentlich hat Inverness genug Busse und ich wünsche uns jetzt schon einmal gute Nerven und viel Geduld. Kennt jemand die Straße von Loch Ness nach Inverness? Richtig, genau deshalb! Ich freue mich trotzdem wahnsinnig darauf, denn die Location ist absolut gigantisch. Nach einer solchen Nachricht blieb uns nichts anderes übrig, als diese mit einem Schluck Whisky herunterzuspülen. Strathisla, die absolut schönste Distillery, die ich kenne, lag auf dem Weg nach Dufftown und obwohl sie offiziell geschlossen war, hat man dort immer einen Dram für den Whisky-Fan, absolut erstklassige und superfreundliche Behandlung, so geht es auch, liebe Talisker-Verantwortliche!
Eigentlich waren es mal wieder genug an Highlights für einen Tag gewesen, aber das kann man sich natürlich nicht entgehen lassen. Der Besuch der Quaich Bar im nahegelegenen legendären Craigellachie Hotel lockte uns noch. Dort muss ein Whiskyliebhaber mal einen Whisky getrunken haben, das ist Pflicht. Und dieser sind wir auch nachgekommen. Der teuerste Dram der Karte, ein Black Bowmore von 1964 kostet im übrigen 275 schottische Pfund für 2 cl. Für uns ging es dann auch etwas preiswerter: Macallan, 33 yo, “Peerless ltd. Edition” von 1968 für 11,50 und ein Ledaig, 1974, abgefüllt in 2000 für 9 schottische Pfund - ein Hochgenuss! Dann noch ein wenig nächtliche Verwirrung bei der Fotosession im Dunkeln bei Macallan hervorgerufen und danach sofort ab ins Bett, denn den nächsten Tag mussten wir wieder unglaublich Gas geben. Wir mussten es bis Edinburgh schaffen und wir wussten, es würde eine Herausforderung, da keiner von uns auch nur ein Motiv am Wegesrand liegen lassen konnte. Schnell mal eben die Dinge von gestern Abend Hotel, Macallan usw. im Hellen abgelichtet und dann Gas, wenigstens so 8 bis 9 km bis Glenlivet auftauchte, dafür sollte Zeit sein, oder?! Leider oder besser Gott sei Dank, sie war geschlossen.
Durch die verschneiten Cairngorms, vorbei an Corgarff Castle wehte uns ein wiederum sehr heftiger Wind nach Edinburgh. Auf diesem Weg sollte man es auf keinen Fall verpassen mit Balmoral Castle (ist im Winter geschlossen), der Royal Lochnagar Distillery und Crathie Kirk auf den Spuren der Royals zu wandeln. Die Henry Moore Skulpturen saßen im Glenshee auch ziemlich bedröppelt im Kalten. Drum herum rutschten ein paar verzweifelte Schotten auf winzigen Mengen von schmutzigem Restschnee herum. Das nennen die Skifahren, unglaublich! Die sparen sogar an Schnee! In Edinburgh haben wir es uns am Ende knapp zwei Tage gut gehen lassen. Haben noch eine absolute “Hammerpartie” der schottischen ersten Fußballliga mitgenommen und dann mal die Trophäen unseres einwöchigen Beutezuges begutachtet. Wie sollten wir das nur mit nach Hause bringen, 15 kg und nur ein Handgepäckstück würden uns echt ins Schwitzen bringen. Und so war es dann auch: Zwei Umpackaktionen am Flughafen und drei Jacken übereinander und schon saß ich am Sonntag Morgen im Flieger Richtung Deutschland. Es war schon wieder zu Ende, aber selten habe ich einen solch geilen Kurzurlaub gemacht, kann ich Euch nur empfehlen. Daran werde ich noch lange zurück denken. Mit dem Bild der nächtlichen Stimmung rund um Edinburgh Castle im Herzen und dem Blick auf den Burgberg im Kopf schaffst Du alles!
- Von Andreas Heimscheid im Februar 2007 -